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Übersicht der Fotostops...




 

Link zur Reisebuchung:

Glanzmann Tours - Foto-Know-How, Tourenerfahrung und Unerhaltung - all in one smiley_daumen_hoch...



 

Hier noch ein paar Tips...


...zum Thema Yukon im Winter:
Die Temperaturen können hier schon sehr tief fallen und eine gute Ausrüstung bzw. Bekleidung ist unabdingbar. Auch wenn hier im Yukon eine sehr trockene Kälte vorherrscht, die gefühlt bei weitem nicht so unangenehm ist wie hier in den Alpen, sollte man sich gut vorbereiten. Wie bei allen derartinge Reisen gilt auch hier - es gibt keinen Plan der ohne Rücksicht eingehalten werden kann - alle Aktivitäten sind wetter- und witterungsabhängig und können sich verschieben.

...hier geht's zu meiner Packliste - derzeit noch nicht verfügbar

...zum Thema "Expeditionscharakter":
Also eines muss jedem klar sein, wir sprechen hier nicht von einer wohlbehüteten Kaffeefahrt oder einem All-Inclusive-Hotel-Urlaub und auch nicht von einer Busfahrt mit Driving-Guide. Aus meiner Sicht sind - abgesehen von einer gewissen Grundkondition - kaum Voraussetzungen notwendig um eine derartige Reise machen zu können. Nur eins, das ist absolut notwendig - man mus offen und unkompliziert sein, sich auf die Gegebenheiten einlassen und einstellen. Doch sind wir ehrlich, das ist doch was einen solchen Trip erst ausmacht.

Aber macht Euch auf alle Fälle mal keine Sorgen betreffend die Versorgung - ich habe noch in kaum einem Hotel so gut gespeist wie Hier in der Cabin. Und wenn man den Vorteil der Einfachheit erst einmal zu schätzen gelernt hat, wird man schnell merken, dass einem hier nichts fehlt, nichts abgeht - im Gegenteil.

Wichtig ist ferner immer auf die Ausführungen der Tourenleiter zu achten und sich nicht selbst zu überschätzen - gute medizinische Versorgung gibt es erst in Whitehorse - aber ich will hier nicht den Teufel an die Wand malen. Denn dann steht einem grandiosen Erlebnis nichts mehr im Wege - Eine Erfahrung die ich jedem nur ans Herz legen möchte.

...hier geht's zur Tourenübersicht - derzeit noch nicht verfügbar

...zum Thema Einkaufen:
In Whitehorse gibt es gute Einkaufsmöglichkeiten um sich für die bevorstehenden Tage mit den notwendigen Snacks einzudecken. Ein Liquid-Store, um für gemütliche Lagerfeuer-Abende gerüstet zu sein, liegt auf der Strecke.

Sollten noch Ausrüstungsgegenstände oder ein zusätzliches Paar warme Handschuhe oder Socken fehlen, so können diese Problemlos in einem der Stores in Whitehorse - zu meist günstigeren Preisen als zu Hause - besorgt werden. Trotzdem sollte die Grundausstattung bereits eingepackt sein.

...zum Thema Land und Leute:
Geht auf die Leute zu - hier ist alles etwas unkomplizierter wie in den meisten mitteleuropäischen Ländern. Nur wer gerne Fotografiert sollte beachten, dass die Leute hier nicht gerade gerne abgelichtet werden - immer vorher fragen oder ggf. auch warten bis Personen vom gewünschten Motiv weggegangen sind.

Was die Betreuung und die Personen speziell auf der Tour betrifft, könnt Ihr ja meinem Reisebericht entnehmen - was soll ich sagen, außer DANKE...

...zum Thema Bargeld:
Etwas Bargeld kann nie schaden und gibt, zumindest mir, immer etwas Sicherheit. Grundsätzlich kann hier aber fast überall mit Kreditkarte – auch Kleinbeträge – bezahlt werden.

...zum Thema "andere Wildtiere":
Naja, die Bären halten Ihr "Schläfchen" somit braucht man sich eigentlich weniger Gedanken machen bzgl. Gefahren - viel mehr hofft man darauf Tiere auch aus der Nähe zu sehen. Die Wölfe hört man meist nur in der Ferne - diese scheuen Tiere kommen kaum zu nahe um gefährlich zu werden. Nichts desto trotz ist anzuführen, dass vor allem mit den Elchen nicht zu spaßen ist und man sich immer korrekt und umsichtig verhalten sollte - schließlich ist hier der Mensch zu Gast in der Natur! Aber wer mit Eva und Beat auf Tour geht kann sich immer in guten Händen fühlen und zu diesen Themen sehr viel lernen.

...ganz allgemein:
Was soll ich an dieser Stelle sagen - Just Do It...lasst Euch ein auf das Abenteuer Yukon und das Leben mit der Natur in Ihrer Schönheit und Einfachheit.



 

„Hundeschlittentour – Wintertraum Yukon für Geniesser“

...so titelt die gebuchte Reise - doch hier möchte ich lieber von

„Yukon – Einfach Leben“

sprechen


Nun sitze ich also hier – ein Gläschen "Fireball"-Whiskey neben mir – und beginne meinen Reisebericht. Lange habe ich diesmal gewartet. Drei Monate sind nun schon vergangen, dass ich zwei Wochen im winterlichen Yukon verbracht habe und ich bin mir immer noch unschlüssig wie ich diesen Bericht gestalten möchte. Doch eins ist klar – es wird kein Bericht wie die Bisherigen, in denen ich jeden Tag einfach alle Unternehmungen aufgezählt und beschrieben habe. Nein, das geht auf keinen Fall – das ist mir klar geworden. In diesem Urlaub habe ich zu viel erlebt und zu sehr gelebt um nur „lapidar“ alle Aktivitäten aufzulisten. Dieser „Urlaub“, dieses „Erleben“ – auch wenn ich hier von nur zwei Wochen spreche – hat mich hierfür zu sehr verändert und geprägt. Deshalb werde ich einfach mal versuchen Euch meine Gefühle und Eindrücke – ohne auf meine Notizen zu achten – aus meinem Gedächtnis heraus zu schildern. All das, das mir nach diesen drei Monaten noch stark in Erinnerung ist. Ich versuche mich kurz zu halten obgleich ich über die letzten beiden Jahre und diesen Urlaub ein ganzes Buch schreiben könnte.

Ich bin gedanklich immer noch tief bei dem Erlebten, spüre noch unglaublich und ungewohnt stark wie mich dieser Urlaub bewegt und verändert hat. Ich habe gelebt und nicht nur erlebt. Gefühlt, gespürt, alles in mich aufgesaugt und nicht nur getan. Diesmal bleiben mehr als „nur“ ein paar Fotos und Erinnerungen an die Reisezeit – es bleibt eine neue Lebenseinstellung. Fast drückt es mir etwas wehmütig die Tränen in die Augen beim Verfassen dieser Zeilen – nein, ich grinse glücklich und entspannt. Noch nie viel mir der Abschied und die Rückkehr von einer Reise so schwer. Gefühlt bin ich noch nicht angekommen sondern immer noch im Yukon, spüre wie mein Herz schlägt und meine Atmung etwas flattrig wird beim Gedanken dass die Zeit vor Ort vorbei ist und ich wieder im Hier und Jetzt ankommen muss. Es fällt mir jedoch viel leichter als früher im Hier und Jetzt zu denken und zu leben, da ich auf dieser Reise, diesem Abenteuer nichts anderes als das getan habe. Ich merke wie ich wieder etwas gelassener werde und versinke tief in meinen Erinnerungen um hier darüber zu berichten.

Nun geht es los – mein erster Urlaub seit Jahren, den ich alleine antreten werde. Voller Vorfreude – wenngleich auch mit einem etwas mulmigen Gefühl im Bauch – starte ich in das Abenteuer Yukon. Ich habe mich diesmal weit weniger mit dem Beschäftigt, was ich sehen und machen möchte – mit all den Dingen die ich gerne fotografieren möchte und die ich voraussichtlich unternehmen werde. Ich starte freier, gelassener und ohne große Erwartungshaltung in dieses Abenteuer. Und eines sei vorweggenommen – ich werde noch entspannter, freier und gelassener zurückkehren…

 

 

Meine Flüge von Salzburg nach Frankfurt und weiter nach Vancouver verlaufen ruhig und problemlos – und auch mein Gepäck ist angekommen – ich bin beruhigt. Etwas müde komme ich am kanadischen Inlandsterminal an. Da ich hier einen doch längeren Aufenthalt habe, gehe ich an die – mir von meiner ersten Yukon-Reise bereits bekannte – Bar und genieße ein kanadisches Bier. Zwischendurch sehe ich mich gespannt im Wartebereich für den Weiterflug nach Whitehorse – ein kleiner, zum Gangbereich offener Raum gleich unweit des „Monks Grill“ – um. Wer könnte wohl zu „meiner“ Reisegruppe gehören. Nach sinnlosen Klischees vorgehend ordne ich die Wartenden Fluggäste ein. Ich suche nach „Outdoor-Typen“, alternativeren Persönlichkeiten, eher etwas älter, sportlich – vielleicht sogar nicht ganz sauber – gekleidet. Mein Blick fällt auf eine junge Frau die links, ganz hinten an der Wand, sitzt und in einem Buch schmökert. Hübsch, sehr hübsch – etwas kleiner, sportlich elegant gekleidet mit unglaublich strahlenden Augen. Ich wende meinen Blick – denn diese Frau habe ich gedanklich aus dem Kreis der Mitreisenden ausgeschlossen – wieder den anderen Personen zu. Unentschlossen wer wohl für einen Reiseteilnehmer in Frage kommt schlendere ich wieder in Richtung Bar. Im Flug nach Whitehorse nicke ich etwas ein und verpasse so den – dringend notwendigen – Kaffe-Snack. Bei der Gepäcksausgabe sehe ich wieder diese Frau, die mir bereits in Vancouver aufgefallen ist. Sie schultert Ihren Rucksack und greift zum riesigen Rollkoffer – für mich ein weiteres Zeichen das leider ein Wiedersehen auf meinem gebuchten Trip ausschließt - steigt in einen Shuttel-Service und fährt ab. Ich nehme ein Taxi und fahre ins "Town and Mountain Hotel", wo ich noch eine Absacker-Bierchen an der Bar genieße. Schweigsam nippe ich an meinem Drink – fühle mich jedoch bereits um einiges befreiter und gelassener. Nur eine etwas ältere Dame versucht sich mit mir zu unterhalten. Leider funktioniert die Konversation aber auf Grund Ihres Alkoholpegels und dem damit verbundenen, für mich schwer verstehbaren „Dialektes“ nur sehr eingeschränkt. Ich bin müde und gehe ins Bett - versuche noch etwas zu schlafen, denn morgen werde ich gegen Mittag abgeholt.

Heute ist der Tag, der Tag an dem alles seinen Anfang finden soll. Nachdem ich einen „Scone“ – mein Lieblingsgebäck – und einen Espresso zu mir genommen habe, spaziere ich durch Whitehorse und mache noch ein paar Fotos vom – überraschenderweise nur teilweise zugefrorenen – Yukon, bevor ich zum Auschecken wieder ins Hotel zurückkehre und warte bis ich abgeholt werde. Eva – eine gebürtige Schweizerin die seit über 20 Jahren im Yukon lebt und mit Beat, Ihrem jetzigen Ex-Mann, wie Sie mir später erzählen wird, diese Touren anbietet – betritt die Lobby. Sie fragt mich – bist du Marco? Ich antworte mit einem bestimmten „Ja“ und habe dabei einen, mir noch sehr präsenten, strahlen Ausdruck im Gesicht. „Hallo, ich bin Eva“ – antwortet Sie – „ich habe noch ein Paar Erledigungen und Einkäufe in der Gegend zu machen, du kannst gerne mitkommen, wenn du willst“. Selbstverständlich nehme ich dieses Angebot an und wir Fahren zu einem kleinen Laden, der Skidoos und Zubehör verkauft. Wie hier üblich, komme auch ich gleich ins Gespräch mit den Leuten vor Ort. Es werden Infos ausgetauscht was sich so alles in der Gegend tut und wen man aller in letzter Zeit getroffen hat. Bei den Entfernungen hier ergibt sich nicht oft die Möglichkeit für einen persönlichen Austausch. Wir laden alles ein und fahren zu einer Herberge um die weiteren Reiseteilnehmer abzuholen, bevor wir noch einen Halt im Superstore zur Besorgung von Tagesverpflegung – vorrangig Muffins, Trockenfrüchte, Nüsse, Schokolade und Kekse - sowie in einem Sport- und Bekleidungsgeschäft machen werden. Eva erklärt mir, dass wir schlussendlich nur zwei Teilnehmer sind, da ein weiterer krankheitsbedingt absagen musste. Wir halten vor einem kleinen Haus – wie sie hier in Whitehorse üblich sind – öffnen das Gartentor, werden von einem leicht überdrehten Husky begrüßt und dann, dann fallen meine Blicke wieder auf Sie – Sarah, die ich schon am Flughafen in Vancouver gesehen habe. Ich kann es kaum glauben – und auch beim Verfassen dieser Zeilen überkommt mich abermals ein fröhlicher und überraschter Grinser – dass es nun doch diese junge Frau sein wird, mit der ich die kommenden beiden Wochen verbringen werde. Eine Österreicherin aus dem Bregenzerwald.

Via Haines Junctions – einem kleinen Ort in dem wir noch im "Liquor Store" Alkohol fürs Abendprogramm besorgen – fahren wir entlang einer grandiosen Winterlandschaft Richtung "Glanzmann Tours Basiscamp". Wir erblicken immer wieder Creeks mit zugefrorenen Flüssen - die grandiose Eisformationen bilden – alten Brücken aus der Goldrush-Zeit und ab und an begegnet uns auch ein Auto im Gegenverkehr. Angekommen werden wir auch von Beat und den Huskys freundlich begrüßt. Ist es für Euch ok wenn ihr Euch eine Blockhütte teilt, fragt er noch. Wir sehen uns an und verneinen beide. Nach ein paar einführenden Worten beziehen wir unsere – für zwei Personen sehr große – Blockhütte. Etwas später kommt Beat vorbei und erklärt uns die wichtigsten Dinge – natürlich mit ein paar Scherzen und Schauergeschichten auf den Lippen, die wir Ihm anfangs noch gutgläubig abnehmen - wie benützt man das „Outhouse“ – also das Toilettenhäuschen neben dem Blockhaus, wie wird der Stahlofen richtig beheizt, wie der Gaskocher in Betrieb genommen – kurz gesagt, wie lebt man hier im Camp. Mit dabei hat er unser Abendessen, das wir bei Kerzenschein und der Hilfe von kleinen Solarlampen und unseren eigenen Stirnlampen genießen.

 

 

Ich habe grandios geschlafen – abgesehen davon, dass wir es mit dem einheizen etwas zu gut gemeint haben und es mir zu warm war in der Hütte – denn hier herrscht eine unglaubliche Stille. Noch nie konnte ich in einem Urlaub so schnell abschalten und all das vergessen, von all dem loslassen, was mich zu Hause um mich herum bewegt. Gespannt was der Tag bringen wird, spaziere ich am Hundeplatz entlang Richtung Werkstatt-Hütte. Hier erwartet uns bereits Beat mit dem „Hundefrühstück“ – einer Mischung aus Trockenfutter und lauwarmen Wasser. Nachdem wir gelernt haben wie die Hunde zu Füttern zu pflegen, einzuspannen und zu führen sind – und dies natürlich auch gemacht haben – folgen die ersten „Stehversuche“ auf dem Hundeschlitten. Dieser wird allerdings von Beat am Motorschlitten gezogen und dieser macht sich daraus natürlich auch wieder einen riesen Spaß – weder Sarah noch ich kommen ohne den einen oder anderen Abwurf davon. Den Nachmittag nutzen wir für einen Spaziergang um das acht Hektar große Grundstück zu erkunden – natürlich nicht ohne von einigen der Huskys begleitet zu werden. Nach dem – wie üblich delikaten – Abendessen strecken wir unsere Beine auf der Couch aus. Ich bin doch etwas müde – unterschätze wohl die viele Bewegung an der frischen Luft bei diesen Temperaturen.

 

 

Nach meinem Gang zur Toilette – die angenehmer weise mit einem „kuscheligen“ Styroporring ausgestattet ist, gehe ich zur Blockhütte und drehe den Gashahn auf um Kaffee und Wasser für das Frühstück kochen zu können. Dabei werfe ich einen kurzen Blick auf das Thermometer – minus 22 Grad. Da hier jedoch eine sehr Trockene Kälte vorherrscht, erscheint mir dies nicht als wirklich unangenehm. Meine Stirnlampe am Kopf tragend heize ich den Ofen an, richte Frühstück für uns beide her und kultiviere mich. Wie üblich wird das Frühstück bei Kerzenschein eingenommen. Anschließend – es ist noch dunkel – legen wir uns, noch immer mit Stirnlampe ausgerüstet, auf die Couch und entspannen ein wenig bevor wir in den Tag starten. Eine Ausfahrt mit den Hunden steht am Programm. Leider fühle ich mich immer noch nicht so sicher am Schlitten und im Umgang mit den Hunden – da es zudem durch sehr unwegsames Gelände geht – um nebenbei zu Fotografieren. Ich nehme dies aber – für mich ungewohnt – entspannt und speichere einen grandiosen Eindruck nach dem anderen in meinen Gedanken ab. Als Belohnung für die erfolgreich absolvierte Ausfahrt wartet eine herrlich warme Sauna und eine „Dusche“ auf uns. Körperlich voll erfrischt gönnen wir uns noch ein Bierchen in der wohlig warmen Blockhütte. Den Abend verbringen wir mit Beat, Eva, Evelyn und zwei weiteren Gästen, die eine Blockhütte gemietet haben am Lagerfeuer. Bis zu den Knien im Schnee stehend wird uns trotzdem schnell warm. Von außen wärmt uns die gewaltige Hitze des riesigen Feuers sehr schnell und von Innen helfen wir mit einem Schluck Whisky zusätzlich nach. Über uns breitet sich ein Sternenzelt aus, wie ich es noch nie erblickt habe. Ich erblicke – nach einem Hinweis von Beat – einzelne Sternbilder und sogar Satelliten kann man hier am Himmel ausmachen. Dann die ersten leichten Nordlichter. Ich bin glücklich, bin ganz bei mir. Eine Ruhe und Zufriedenheit überkommt mich, wie ich sie noch nie erlebt habe.

 

 

Wir unternehmen die erste Schneeschuhwanderung. Gemeinsam fahren wir mit den Skidoos durch den Wald und anschließend über den zugefrorenen Dezadeash-Lake. Um für kommende Gruppen – und natürlich auch für uns -Eva’s Trail abzustecken, markieren wir diesen mit Kerben in den Bäumen und dem Abhacken von Ästen. Mit den Schneeschuhen an den Füßen fällt es mir noch etwas schwer mich im unwegsamen Gelände fortzubewegen und auch über die Baumstamm-Brücken gehe ich noch etwas unbeholfen. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass ich noch etwas vorsichtig bin was mein eigenes Vertrauen in mein operiertes Knie betrifft. Am Ziel angekommen machen wir ein Feuer um uns etwas zu wärmen und gemütlich unsren Snack einzunehmen. Ich bemerke schnell, dass die – von mir so geschätzten und von zu Hause mitgebrachten – Riegel nicht gerade die beste Wahl eines Snacks bei diesen Temperaturen ist, da diese doch „sehr cross“ im Biss sind. Ich greife also auf meine Trockenfrüchte mit Nüssen zurück und auch die Einladung zu Muffin und Bananenbrot nehme ich dankend an. Diese fettigen Snacks bleiben einfach saftiger und sind die leckerere Option. Den Abend lassen wir bei uns in der Hütte gemütlich ausklingen.

 

 

Heute geht es wieder los mit den Schlittenhunden – ich setzte jedoch aus – brauche etwas Zeit für mich. Nach dem Füttern und Pflegen der Huskys mache ich einige Fotos von den Vorbereitungen. Auf dem Klemmbrett an der Blockhütte sind die Gespannzusammenstellungen von Beat bereits mit Klettbändern ausgeschildert. Neben jedem Hundenamen ist die Größe des Notwendigen Geschirrs angeführt. Diese werden der Reihe nach am Boden aufgelegt um beim Einspannen – denn hier können die Huskys voller Freude ganzschön überdreht sein – keine Zeit zu verlieren. Nun den Schlitten an seine Position fahren, die Panikline befestigen, den Hook setzen, die Leine Auslegen und für die korrekte Anzahl an Hunden anpassen – fertig. Jetzt werden die Hunde einzeln eingeschirrt und eingespannt – beginnend bei den Leithunden. Dies geht erfahrungsgemäß bei dem einen leichter bei dem anderen etwas schwerer und mit dem Befehl „Hike“ geht es dann auch schon los auf die Tour. Beat fährt mit dem Motorschlitten vor, danach kommen – mit großen, freudigen Geheule – die Hundegespanne nach. Dann Stille. Am Weg zur Blockhütte mache ich noch ein paar Fotos von den Hunden. Ich stehe zwischen Outhouse und Hütte, sehe in den Himmel, betrachte die verschneite Landschaft – ich bin glücklich, fühle mich frei wie nie in dem Wissen, dass ich wohl der einzige Mensch hier im Umkreis von 20km bin. Alleine, ohne Strom, ohne fließend Wasser und ohne Telefon – nur ich und die Huskys – nichts lenkt ab vom puren Dasein. Einen Moment schweifen meine Gedanken in die Vergangenheit, denn früher hätte mich eine Solche Situation wohl eher beunruhigt, vielleicht sogar geängstigt. Nein, es ist der schönste Moment den ich in letzter Zeit erleben durfte – frei, gelassen, entspannt, mit dem „Wenigen“ zufrieden dass ich hier habe – ein unglaublich schönes und in dieser stärke neues Gefühl für mich. Ich hole mein Handy – das ich seit Tagen nicht mehr in Händen gehalten habe – aus der Hütte und presse mir mit den letzten Akku-Reserven über die Kopfhörer zwei, drei gute Songs in die Ohren, tanze durch den Schnee und strahle mit der Sonne um die Wette.

Die ersten Tage meiner Reise haben schon viele Erlebnisse mit sich gebracht und auch die kommenden werden noch viele mit sich bringen und bereithalten. Ich bemerke schnell, dass das was ich hier so genieße und diese Zeit im Yukon für mich ausmacht, nicht die einzelnen Punkte am Programm – wenngleich diese auch sehr schön sind – sondern das Lebensgefühl das ich hier aufsaugen darf und die Lebenseinstellung die ich von Beat und Eva vermittelt bekomme sind. Mit dieser neu gewonnen Ruhe genieße ich jeden Moment, jede Minute die ich hier verbringe. Egal ob es um notwendige Arbeiten geht oder aber um einen gemütlicher Kaffeetratsch in Evas Haus, eine private Fotoschulung von Beat – der auch Profifotograf ist, das Arbeiten mit den Hunden, das Füttern der Vögel, oder unsere geselligen und lustigen Lagerfeuerabende.

 

 

Die kommenden Tage verbringen wir entspannt mit den Hunden machen nach einer Woche unseren ersten Abstecher in die Zivilisation - nach Haines Junction - um Nachschub für die Lagerfeuerabende und die bevorstehende Übernachtungstour zu besorgen sowie um kurz einmal zu sehen was sich denn so im Internet und der großen weiten Welt getan hat. Einen Tag nutzen wir um am Kathleen Lake Fischen zu gehen. Da Beat nicht uns beide am Skidoo mitnehmen kann, fahre ich das erst mal alleine. Beat erklärt noch die wichtigsten Dinge, die hierbei zu berücksichtigen sind. Als ich Ihn konkret frage was denn nun zu tun ist, sollte der Skidoo wirklich zu kippen drohen und er gelassen antwortet „das wird dir dann schon der Überlebensinstinkt sagen“, wird mir doch etwas mulmig. Auch seine Ausführungen betreffend das Fahren über den zugefrorenen See schrecken mich im ersten Moment ein wenig. Doch eines habe ich hier auch gelernt – Ruhe bewahren – und, dass es immer besser ist über alles Bescheid zu wissen das eintreten kann, wie dass etwas eintritt mit dem man nicht gerechnet hat, denn die Versorgung hier in der Wildnis ist doch bei weitem nicht mit der zu Hause zu vergleichen. Zum Glück geht alles gut – macht noch dazu Spaß – und auch unser Abendessen ist in Form von fünf See-Saiblingen ist gesichert. Ich merke jedoch wie es Sahra schwer fällt den Fisch zu töten – Beat - von dem wir viel gelernt haben und der auch sagt, das der, der Fleisch will auch lernen muss das Tier zu töten – kommt Ihr jedoch schnell zur Hilfe.

 

 

Heute Startet unser nächstes Abenteuer – wir werden mit den Hunden über den See fahren und zwei Nächte unter freiem Himmel verbringen – drei Tage, die ich nie vergessen werde. Ohne Eile Versorgen wir die Hunde – die uns schon längst ans Herz gewachsen sind – und besprechen die letzten Punkte mit Beat, der uns – wie üblich – am Vorabend bereits alle Infos gegeben hat. Die erste Fahrt über den See bescherte uns besseres Wetter und einen besseren Ausblick wie diese. Wir fahren in ein beinahe White-Out. Ich kann nur noch von weitem die Umrisse der Bäume am Seeufer erkennen. Weit vor mir eine zarte Linie, die den Horizont, den Übergang vom Verschneiten See zum Himmel, erahnen lässt. Die Skidoos von Evelyn und Beat sind schon lange nicht mehr zu hören und zu sehen – ich drehe mich um – hinter mir erkenne ich, mit vergrößertem Sicherheitsabstand, Sarah mit Ihrem Gespann. Stille, unglaubliche Stille - die kalte Luft auf den wenigen nicht bedeckten Hautstellen spürend fahre ich in gleichmäßigem Tempo über den See – zum Glück kann ich mich auf die Hunde – allen voran meinen Leithunden Caramel und Obame - blind verlassen. Immer die Hunde im Blick, die Augen starr nach vorne gerichtet und den See beobachtend – im Gedanken ganz bei mir. Über einen steilen, kurvigen Trail durch den Wald erreichen wir unser Camp. Zuerst werden die Hunde versorgt, danach eine kurze Rast – die Wolken lichten Sich und die Sonne lacht uns entgegen. Wir stecken einen Trinkwasserbereich im Schnee ab und bauen unsere Betten. Den Abend nutze ich zu einer weiteren Foto-Session mit Beat. Unser Abendessen nehmen wir im Trapperzelt ein, wo wir auch einen netten Abend verbringen. Der Gang durch den Schnee zu meinem Bett wird gleichzeitig von Vorfreude und Spannung begleitet – wie werde ich wohl schlafen.

 

 

Auch ohne „Hot-Bottle“ habe ich die Nacht gut überstanden. Ein paar Adaptierungen am Bett werde ich aber für die kommende Nacht wohl vornehmen müssen, da ich doch etwas abgerutscht bin. Nachdem ich mich bei einem leckeren Frühstück im Zelt etwas aufgewärmt habe steht das morgendliche Kultivieren am Programm – irgendwie habe ich mich schon sehr gut daran gewöhnt bei -10 Grad unter freiem Himmel zu Duschen, Zähne zu putzen und zur Toilette zu gehen – ich genieße es sogar. Mit den Skidoos starten wir los zu einer Schneeschuhwanderung mit genialem Ausblick über den See. Wie üblich markieren wir den Trail – diesmal mit sogenannten „Yukon-Extentions“, neon-farbigen Bändern, die etwa auf Kopfhöhe befestigt werden um nicht von nächsten Schnefall begraben zu werden. Da wir einen sehr steilen Trail gewählt haben, entscheiden wir uns mit Beat – ich sitze dabei im Anhänger – gemeinsam am Skidoo die Abfahrt zu wagen. Stellenweise fühle ich mich wie bei einem Parabelflug, wie im freien Fall. Alles gut überstanden starten wir ins Abendprogramm. Wir bekommen noch Beuch von zwei Amerikanern, die den See mit den Skiern überquert haben. Zusammen sitzen wir am „Hippy-Killer“ – so werden hier die Stahlöfen genannt, da viele der unerfahrenen Auswanderer früher damit Ihre Zelte abgefackelt oder sich Rauchgasvergiftungen geholt haben. Innerlich gut gewärmt gehe ich zu meinem Bett. Ich ziehe die Öffnung des Mumienschlafsacks so weit wie geht zu – diese Nacht verläuft zwar etwas wärmer, doch der starke Schneefall ist etwas unangenehm im Gesicht.

Bei traumhaftem Wetter überqueren wir den See und fahren zurück in Richtung Camp. Abermals habe ich dieses Gefühl der unendlichen Freiheit in mir – zwei Hundegespanne allein auf dem knapp 20km langen See – die Sonne strahlt und der wolkenlose Himmel gibt den Blick auf die umliegende Bergrange frei. Meine Gedanken sind ganz bei mir – ich genieße es. Im Camp angekommen genießen wir wieder den Luxus eines festen Dachs über dem Kopf, eines „Outhouses“ mit wärmendem Styroporring und natürlich der kleinen Saunahütte. Umgehend wird diese auch eingeheizt. Wir gönne uns zwei Saunagänge und eine ausgiebige Dusche – natürlich auch hier im Freien, jedoch mit einem feinen Holzbrett unter den Füßen – anschließend stapfen wir begleitet von den Huskys und mit Winterstiefel und Handtuch bekleidet zurück zu unserer Cabin.

 

 

Nur noch wenige Tage Verbleiben bis es wieder zurück in die Heimat geht – etwas Wehmut überkommt mich, irgendwie habe ich auch hier ein Stück Heimat gefunden. Ich habe noch nie in so kurzer Zeit eine so innige Freundschaft zu Menschen gewonnen, noch nie so viel über das Leben generell und über das Überleben mit der Natur gelernt, noch nie war meine Vorfreude meine Reiseerlebnisse mit Freunden zu Hause zu teilen geringer wie jetzt in diesem Moment – denn ich möchte eigentlich gar nicht mehr weg. Doch davor erlebe ich noch einen grandiosen Ausflug zum Kluan Lake und einen netten Besuch auf der Hay Ranch – der Farm von Evas Freund Darren.

 

 

Unser Abschlussfeuer steht an – wir sammeln unsere Wein-, Bier- und Whisky-Reste zusammen und machen uns auf in Richtung Feuerstelle, wo Beat uns bereits erwartet. Wir haben viel Spaß, Lachen und Diskutieren viel – doch einige Minuten stehe ich, den Blick starr in das Feuer gerichtet, im Schnee und merke wie es mir die eine oder andere Träne in die Augen drückt. Diese zwei Wochen waren so unglaublich - so viele Emotionen, Gefühle, Erlebnisse.

 

 

Wir starten unsere Rückreise nach Whitehorse. Am weg hören wir lautstark Beats Lieblings Musik und Unterhalten uns zwischendurch – doch im Allgemeinen sind wir alle sehr in unseren Gedanken versunken. Immer wieder können wir vom Auto aus Wildtiere beobachten, doch auf Grund der sehr eisigen Straßenverhältnisse ist es nichtmöglich für ein Foto anzuhalten – auch diese Bilder bleiben mir in Erinnerung. Den Rest des Tages verbringe ich mit Sarah in Whitehorse bevor es auch hier Verabschieden heißt.

 

 

Auch mein Rückflug verläuft ruhig - wenn auch etwas verspätet. Aber das kann mich nun wirklich nicht mehr aus der Ruhe bringen. Im Flub von Vancouver habe ich das Glück neben einem Inder zu sitzen, der die Sitzeinteilung nicht korrekt lesen kann - somit bekomme ich den Platz am Gang und muss mich nicht in die Mitte des vierer Blocks quetschen. Er jammert mich Anfangs zwar noch etwas voll, aber in diesem Fall - und weil er ein derartiger Suderant ist - mach ich eine Ausnahme, kläre das Missverständnis nicht auf und genieße die über zehn Stunden Flug auf einem gemütlichen Platz. Spätestens in München angekommen bekomme ich wieder etwas von dieser europäischen Hektik mich - versuche aber mich nicht mitreißen zu lassen. Beobachte eher die Leute die mich zum Teil etwas verdutzt anschauen - liegt es an meinem doch eher ungepflegen Aussehen in kombination mit diesem müden Blick, liegt es daran dass ich bei angenehmen Temperaturen mit Winterstiefeln und -Kleidung herumlaufe oder liegt es daran dass meine Kleidung sicher noch eine Parfummischung aus Hund, Lagerfeuer und Natur hat - es ist mir egal - ich suche schmunzeln die Raucherbox auf und genieße die verbleibende Zeit.

Danke Leute – danke allen die ich treffen, von denen ich etwas lernen und mit denen ich dieses Erleben teilen durfte. Vor allem werde ich immer an Euch denken, liebe Eva & Evelyn, lieber Beat und natürlich an Dich, liebe Sahra! Ihr seid in dieser doch so kurzen Zeit für mich zu wahren Freunden geworden, viel inniger und offener wie ich dies von manchen Leuten die ich schon Jahre lang kenne gewohnt bin. Ich hoffe – nein ich weiß - es wird ein Wiedersehen geben und ich freue mich darauf



 

Yukon - Einfach Leben

ein paar Bilder um meine Eindrücke und Erinnerungen immer präsent zu haben

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